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Kommunist

Als Kronprinz von Erich Honecker machte Egon Krenz SED-Karriere, am Ende war er Staatschef der DDR. Doch er führte das Land nur 50 Tage, nach der Wiedervereinigung wurde er wegen seiner Mitverantwortung für die Mauertoten zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Seit seiner Entlassung 2003 lebt er in Dierhagen an der Ostsee.

Funktionär, Aufsteiger, Apparatschik, Bonze, Hassfigur, Totschläger, Häftling, Vater und Großvater – wer ist Egon Krenz am Ende seines Lebens? In „Kommunist“ zeichnet Regisseur Lutz Pehnert („Bettina“) den Aufstieg und Fall des Mannes nach und beleuchtet seine politischen Entscheidungen im Kontext des Kalten Krieges. Gleichzeitig blickt der Film mit neuer Perspektive auf den Niedergang der DDR und auf die Wege der Menschen, die in diesem System aufwuchsen.

LUTZ PEHNERT ÜBER SEINEN FILM

Im Laufe meiner fast 30-jährigen Arbeit als Regisseur für Film und Fernsehen wurde ich immer mit dem verschwundenen Staat DDR und seiner Spätfolgen konfrontiert. Rockmusik, Außenhandel, Seefahrerei, Berliner Mauerjahre, das Leben und Wirken von Künstlern und Schauspielern in der DDR, der Rückblick auf DEFA-Filme, die DNA des Ostens der Nachgeborenen – diese andauernde Beschäftigung mit dem Land, in dem ich gelebt habe, das Nichtloskommen von dieser Vergangenheit, mögen auch ein Fluch sein. Aber die Summe vieler Erfahrungen und Erinnerungen hat meinen eigenen Rückblick ergänzt und bereichert. In dieser Summe ist der Begriff „Unrechtsstaat“ ein Begriff unter anderen und nicht die einzig gültige Erkenntnis.

Nun geht es um Egon Krenz, den letzten verbliebenen Staatsmann eines untergegangenen Landes, Kronzeuge seines eigenen Funktionär-Lebens und der Politikerkaste, der er angehörte. Zum einen verkörpert er die uralte Aufstiegs-Story vom „Tellerwäscher zum Millionär“, hier also vom Dorfjungen zum Staatsratsvorsitzenden. Zum anderen eröffnet Krenz’ Rückblick eine Geschichte von „oben“, die aus dem Machtzentrum auf das Leben und auf die politischen Verhältnisse in der DDR schaut. 

Welcher Ehrgeiz, welche Anpassungsleistungen, welche Ideale und welcher Verrat an den Idealen waren für diesen Lebensweg erforderlich? In dieser Fragestellung schaut der Film auf die Biografie von Egon Krenz. In deren Bilanz schließt ihn die Partei, der er gedient und für die er gelebt hat, aus ihren Reihen aus. Und als letztes Urteil einer Karriere zwischen guter Absicht und rigorosem Scheitern stehen „sechseinhalb Jahre Gefängnis wegen vierfachen Totschlags“.

Ein Filmporträt über „so einen“ – so oft ich darüber nachgedacht habe, so oft habe ich es bezweifelt und die Gedanken darüber wieder verworfen. Die Möglichkeit, an der Filmidee weiterzuarbeiten, ergab sich 2023 durch ein Ehrenstipendium im Ahrenshooper Künstlerhaus „Lukas“. Zwei Orte weiter, in Dierhagen, verbringt Egon Krenz seinen Lebensabend. Ich besuchte Ihn, führte viele Gespräche mit ihm, die ich aufzeichnete. So entstanden Gesprächsprotokolle, die zum Fundament des Filmprojekts geworden sind.

Regie Lutz Pehnert, Deutschland 2026, 123 Minuten, FSK 6

Spielzeiten

11.06.2026
20:30 - 22:33
12.06.2026
20:30 - 22:33
13.06.2026
20:30 - 22:33
14.06.2026
20:30 - 22:33
15.06.2026
20:30 - 22:33
16.06.2026
20:30 - 22:33
17.06.2026
20:30 - 22:33

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