Bali Kino
 Teltower Damm 33
 14169 Berlin
 Tel.: 030 / 811 46 78
 Fax: 030 / 812 99 538

 

Pressestimmen:


Berliner Woche (OT Steglitz-Zehlendorf) - 13. Juli 2016


 

 

 

Das Medienboard Berlin Brandenburg hat das Bali-Kino ausgezeichnet
und dem Lichtspieltheater eine Prämie in Höhe von 15.000 Euro verliehen.

(Foto: Ulrike Martin)

 

Medienboard Berlin-Brandenburg zeichnet Bali-Kino aus

 

Zehlendorf. Das Medienboard Berlin-Brandenburg hat die besten Kinos ausgezeichnet. Wie schon in den Vorjahren ist das Bali-Kino am Teltower Damm 33 eines der Preisträger.

 

Beworben hatten sich 50 Kinos. 46, davon 31 in Berlin und 15 in Brandenburg, erhielten 432.500 Euro als Preisgeld. Die Prämien wurden in Höhe von 5.000, 7.500, 10.000 und 15.000 Euro vergeben. Das Bali erhielt 15.000 Euro. 

Helgard Gammert betreibt ihr kleines Kino seit vielen Jahren unter einem Motto des Dalai Lamas: „Falls Du glaubst, dass Du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist“. Die Jury beurteilte ihr Filmangebot als vielfältig. Es gebe größere Themenumsetzungen vor allem im Dokumentarischen wie Porträts, Lebensentwürfe, Ernährung, Verbraucherschutz, Globalisierung und der Welt im Umbruch. „All das findet sich in einem lesenswerten, sehr persönlichen Essay über das Filmjahr 2015, den Helgard Gammert ihrem Antrag beigelegt hat. Dafür eine Spitzenprämie, was sonst!“, heißt es in der Laudatio der Jury. 

„Wir freuen uns und gratulieren allen Gewinnern“, sagt Gammert. Sie übernahm das Kino vor 38 Jahren. Das Haus wurde in den 1920er-Jahren als Tanzpalast genutzt. Seit 1946 ist es ununterbrochen Kino. In den 1970er-Jahren galt es als das führende politische Kino in Deutschland.  Auszeichnungen erhält das Bali seit 30 Jahren in Folge – durch das Bundesministerium des Innern, das Bundeministerium für Kultur und Medien und durch das Medienboard Berlin Brandenburg. uma

 

 

 


KINO PROGRAMMPREIS BERLIN - BRANDENBURG 2016



 

Wir haben einen!

 

JURYBEGRÜNDUNGEN FÜR DIE PREISTRÄGER IN BERLIN

 

[...] Bali-Kino „Falls Du glaubst, dass Du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“ Mit diesem Motto des Dalai Lama betreibt Helgard Gammert seit vielen Jahren ihr kleines Kino am Bahnhof Zehlendorf. Sorgfältig kuratiert, vielfältig im Filmangebot und Marketing. Mit einem Hang zu größeren Themensetzungen vor allem im Dokumentarischen wie Porträts, Lebensentwürfe, Ernährung, Verbraucherschutz, Globalisierung und der Welt im Umbruch. All das findet sich in einem lesenswerten, sehr persönlichen Essay über das Filmjahr 2015, den sie ihrem Antrag beigelegt hat. Dafür eine Spitzenprämie, was sonst! [...]

 

Wir freuen uns! Und wir gratulieren allen Gewinnern!

 

Mit dem Kinoprogrammpreis werden Engagement und Programmgestaltung der Kinomacher der Hauptstadtregion prämiert: um einerseits die einzigartige und lebendige Kinovielfalt in Berlin zu erhalten und andererseits die Filmtheater in Brandenburg bei ihrer engagierten Arbeit zu unterstützen. (Medienboard Berlin Brandenburg)

 

 

 


KINOPROGRAMMPREIS BERLIN-BRANDENBURG 2015



 

WIR HABEN EINEN!

 

JURYBEGRÜNDUNGEN FÜR DIE PREISTRÄGER IN BERLIN

 

[...] Bali-Kino Auch die Bewerbung der Zehlendorfer Kulturinstitution Bali-Kino gleicht einem Essay über die Veränderung von Publikum und Kulturverbrauch, von Digitalisierung und Differenzierung. Aus der Fülle der Veranstaltungen ragen die jahreszeitlich und gesellschaftspolitisch, die thematisch und künstlerisch fein austarierten Angebote für die eher gutbürgerliche Einwohner- und Besucherstruktur heraus. Und selbstredend natürlich täglich Kinderkino! Bali ist Filmkunst in Personalunion, die einen Namen hat: Helgard Gammert. [...]

 

 

 


Kinoprogrammpreis Berlin-Brandenburg 2014




 

JURYBEGRÜNDUNGEN FÜR DIE PREISTRÄGER IN BERLIN

 

[...] Bali-Kino - In ihrer sehr schönen, manchmal sogar selbstironischen Dokumentation über das Programm des letzten Jahres beweist uns Helgard Gammert, wie sie das Bali Kino immer wieder neu erfindet und mehr Besucher in ihr Kino holt. Ihre vielen Veranstaltungen und Kooperationen sind inzwischen legendär und machen das Kino zum absolut unverzichtbaren Bestandteil der lebendigen Berliner Kinolandschaft. [...]

 

 

 


Berliner Morgenpost - 11.6.2014

Es ist ganz sicher uncharmant so zu beginnen, aber es muss nun einmal sein: Helgard Gammert ist 70 Jahre alt. Ihr halbes Leben hat sie einem kleinen Kino mit gerade einmal 100 Plätzen in Zehlendorf gewidmet. Sie hat ihm ihre Handschrift gegeben, es gehegt und gepflegt und ist seit nunmehr 35 Jahren dessen Inhaberin. Sie sagt aus vollstem Herzen: „Ich liebe dieses Kino und meine Arbeit hier zutiefst.“ Und wer ihr dabei in die strahlenden Augen schaut, der weiß, dass Helgard Gammert und das Bali Kino einander gesucht und gefunden haben.

 

Am 1. Januar 1979 hat sie das Bali von ihrem Vorgänger Manfred Salzgeber übernommen. Zuvor war die gelernte MTA und Buchhändlerin bei einem kommunalen Kino in Mannheim. „Ich bin dann nach Berlin gekommen, um etwas Besonderes zu machen“, sagt Helgard Gammert, wenn sie an die Zeit zurück denkt. „Manfred Salzgeber fragte mich ganz direkt: Willst Du mein Kino haben? Und ja: Ich wollte genau dieses politisch engagierte Kino haben“, sagt Helgard Gammert. Unterstützung gab es damals von Freunden und vom Berliner Senat. „Der damalige Film- oder Kinobeauftragte des Landes Berlin sagte, es sei toll, jemand von außen zu haben und besorgte mir einen Kredit.“ Ein Traum wurde wahr – ein eigenes Kino!

 

Anfangsschwierigkeiten   

„Und dann, nach nur einem Monat, der große Schock: Die 35mm-Filmprojektoren gingen kaputt, ich hatte keine Ressourcen und kein Geld!“ Dazu musste Helgard Gammert feststellen, dass sie „eine naive Vorstellung davon hatte, politisches Kino machen zu können.“ Alles war im Umbruch, die sogenannte Szene gerade nach Neukölln und Kreuzberg abgewandert, das Kino hatte im Bezirk einen linken Ruf. „Das Kino wurde von den Zehlendorfern abgelehnt. Wenn Kinder stehen blieben, um sich die Plakate für mein Kinderprogramm anzusehen, zogen die Eltern sie schnell weiter“, sagt Helgard Gammert. Sie wusste: „Ich muss neue Ideen für mein Kino finden.“ Bei ihrem „ambitionierten Programm saßen mehr Leute auf dem Podium als im Publikum.“ Sie lacht, wenn sie das sagt. Damals konnte sie das sicher nicht immer. Aber sie lernte viel über sich. Merkte, dass sie gut darin ist, sich zu verändern, wenn es notwendig ist.

 

Also passte sie ihr Programm dem Bezirk an, ohne sich und ihrer Idee von einem Kino untreu zu werden. „Ich habe angefangen, mit dem Bezirk und dem Schulamt zusammen zu arbeiten“, sagt Helgard Gammert. Seitdem gibt es Vormittags-Vorstellungen für Kitas und Schulkinder. Zudem spielte sie um 18 Uhr einen „Mainstream-Film“, den sie für sich noch einigermaßen vertreten konnte – da war der Saal voll. Es lief wieder. „Man muss eben doch immer so arbeiten, das man die Miete bezahlen kann“, sagt sie.

 

Doch dann „kam der nächste große Schlag: Die Maxxen und die Center kamen auf“, wie sie die großen Kinos nennt. Für ihre bis dahin gut besuchten 18-Uhr-Vorstellungen hieß das: „Totentanz!“ Und oft wurde ihr gesagt: Kein Wunder, wenn das Bali Kino die „Blockbuster“ nicht bringt. Helgard Gammert: „Schindlers Liste war so ein Film. Aber ganz ehrlich: Lieber gehe ich pleite, als mit dem Thema Geld zu verdienen.“ Bis heute bleibt sie dabei: „Für Mainstream bin ich nicht zuständig. Ich bin dafür da, dass das Publikum hier sein Kino hat.“ 

 

Gut, zugegeben: Das Publikum sei mit ihr und dem Kino alt geworden. Aber sie hat ihr Stammpublikum, die ihre bestimmte Handschrift mögen. „Ich habe eine unglaubliche Resonanz, die Leute gehen raus, schütteln mir die Hand und bedanken sich für das tolle Programm“, sagt Helgard Gammert glücklich. Sie macht das, wovon sie überzeugt ist und sie macht mit, was für den Erhalt ihres Kinos unerlässlich ist.

 

R2D2 im Vorführraum

Die Umstellung auf Digitalfilme war so etwas Unerlässliches. „Ich habe immer gesagt, ich stehe zur alten Technik“, sagt Helgard Gammert. „Aber heute weiß ich, dass die Digitalisierung notwendig war. Ich kann Filme früher spielen, als auf 35mm. Sie sind einfach schneller da. Ich hab heute meinen Frieden mit dem Ding geschlossen.“ R2D2 nennt sie „das Ding“ in ihrem Vorführraum. Benannt nach dem eigenwilligen kleinen Roboter aus „Star Wars“. Zwei alte Abspielmaschinen stehen dort aber auch noch. Helgard Gammert zwinkert: „Wenn ich etwas Besonderes spiele, spiele ich auf 35mm.“ Weil sie für ihr Kino oft Preise bekommt, wurde „R2D2“ hoch finanziert. Zusätzlich sind 10.000 Euro durch Spenden im Umfeld zusammen gekommen – ein Beweis dafür, dass das Bali heute in Zehlendorf angekommen ist. Für sie liegt es auch daran, dass sie 2005 für ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz erhielt. „Plötzlich haben viele Respekt vor dem Kino bekommen. Das hat gut getan. Und ich kann für mich seitdem denken: Alles ist okay.“ 

 

Mit voller Überzeugung sagt sie: „Ich habe gefunden, was mir liegt. Ich tue nichts Künstliches, sondern bin authentisch.“ Genau deshalb bekam sie gerade wieder einen der von Medienboard Berlin-Brandenburg und der Deutschen Filmakademie verliehenen Kinoprogrammpreise. Prämiert wurden die besten Jahresfilmprogramme von herausragenden Kinomachern in Berlin und Brandenburg, das Preisgeld betrug 12.000 Euro. „Dieses Kino, so wie ich es führe, geht nicht ohne Preise“, sagt Helgard Gammert.

 

Die Jurybegründung gefiel ihr gut: „In ihrer sehr schönen, manchmal sogar selbstironischen Dokumentation über das Programm des letzten Jahres beweist uns Helgard Gammert, wie sie das Bali Kino immer wieder neu erfindet und mehr Besucher in ihr Kino holt. Ihre vielen Veranstaltungen und Kooperationen sind inzwischen legendär und machen das Kino zum absolut unverzichtbaren Bestandteil der lebendigen Berliner Kinolandschaft.“ Und das ist ein überaus charmanter Satz zum Schluss.

 

 


Berliner Woche - 2.6.2014 - "Bali" Kino ausgezeichnet

Zehlendorf. Das Filmtheater "Bali" am Teltower Damm gehört zu den ausgezeichneten Kinos in Berlin. Vom Medienboard Berlin Brandenburg wurde es mit dem Kinoprogrammpreis 2014 ausgezeichnet. Kinochefin Helgard Gammert nahm die mit 12 000 Euro dotierte Auszeichnung von Christian Berg und Kirsten Niehuus vom Medienboard entgegen.

Insgesamt 37 Programmkinos in Berlin und Brandenburg wurden
mit 269 000 Euro prämiert.

Ralf Drescher (2.6.2014)

 

 


Berliner Abendblatt

29.11.2013

 

Für das Bali-Kino gehören Auszeichnungen schon fast zum Tagesgeschäft. Dieses Mal ist es der zweite Platz beim Kino-Programmpreis für das Film-Theater am Teltower Damm. Die Jury vom Medienboard Berlin- Brandenburg lobte in seiner Begründung vor allem das üppige Jugend- und Kinderprogramm, das große Engagement für die vielen Dokumentarfilme und die zahlreichen Veranstaltungen des Kinos.

 

Für das Bali bedeutet diese Liebeserklärung der Jury nicht nur viel Ehre, sondern auch 8.000 Euro Preisgeld. Die Inhaberin Helgard Gammert freut sich über die Auszeichnung: „Auch wenn es dieses Jahr nur zum zweiten Platz gereicht hat, hilft uns das Preisgeld sehr bei der Gestaltung unseres Programms. Interessantes und lebendiges Programm-Kino ist teuer. Und wenn man dann auch noch eine Woche lang mehrere Filme thematisch zusammenträgt, dann geht das richtig ins Geld“, sagt die stolze Kino-Frau.

 

In den 1920er Jahren wurden die Räume des heutigen Bali-Kinos noch als Tanzpalast genutzt. Seit 1946 wird hier ununterbrochen Programmkino präsentiert. Als Helgard Gammert vor 35 Jahren das Kino übernahm, war für sie klar, dass sie diese Tradition fortführen würde. Ihr Ansatz sei es, ein politisches Forum zu bieten und den Leuten die Chance zu geben, das Kino als Informationsquelle zu nutzen. So stellte Gammert beispielsweise eine Informationsveranstaltung anlässlich des Films „Bottled Life“ auf die Beine, zu der sie Mitglieder des Berliner Wassertischs und der Organisation „Brot für die Welt“ einlud um über die Problematiken im Film zu diskutieren. „Wer macht sich schon Gedanken darüber, wie unser Wasser, vor allem durch die Industrie, missbraucht wird.

 

Zuspruch aus ganz Berlin.

„Die Auswirkungen werden zu einem der größten Probleme der nächsten Generation werden“, warnt Gammert. Beliebt ist ihr Programm nicht nur in ihrem Kiez. Neben ihrem treuen Stammpublikum kommen Zuschauer aus ganz Berlin, die ihr Arthouse-Kino zu schätzen wissen. Die Inhaberin heißt ihre Zuschauer im Bali noch persönlich in dem überschaubaren 100-Plätze-Haus willkommen. Die roten Plüschsitze und die alten 35-mm-Apparaturen erinnern an das Kino, wie man es von früher kennt und schaffen eine gemütliche Atmosphäre. „Unser Bali soll ein Treffpunkt für Menschen sein, die neue Dinge entdecken und ihren Horizont erweitern wollen“, erklärt die Betreiberin.

 

In ihrer Laudatio lobt Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin des Medienboards Berlin-Brandenburg, vor allem die große Kino-Vielfalt in der Hauptstadtregion: „Mit ihrem großen Engagement sorgen insbesondere die Preisträger des Kinoprogrammpreises dafür, dass das Publikum ein breites Filmangebot genießen kann. Damit das in Zukunft so bleibt, unterstützt das Medienboard die Kinobetreiber seit 2010 mit Fördermitteln bei der Digitalisierung ihrer Leinwände“, sagt Niehuus.

 

Ohne die vielen Preise, mit denen das Bali seit Jahrzehnten konstant ausgezeichnet wird, würde Inhaberin Helgard Gammert das Kino, so wie sie es jetzt betreibt, nicht mehr weiterführen können. „Ohne diese finanzielle Unterstützung, die ich auch als persönliche Anerkennung empfinde, müsste ich ein Kino wie jedes andere machen. Das würde mir überhaupt nicht gefallen. Dann würde ich aufhören“, sagt die Kino-Fanatikerin.

 

Charlotte Marxen / Berliner Abendblatt

 

 


LoNam - Das afrikanische Magazin 2

9. Jahrgang (April/Mai 2013)

 

Afrika Woche im Bali Kino

Vom 23. bis 29. Mai 2013 widmen sich die Filme des Berliner Kinos Bali dem afrikanischen Kontinent

Im Berliner Stadtteil Zehlendorf befindet sich seit 25 Jahren das kleine Programmkino BALI. Aus dem ursprünglichen Namen „Bahnhof Lichtspiele“ wurde irgendwann kurz Bali. Die Inselassoziation ist beabsichtigt. Das wöchentlich wechselnde Programm für Jung und Alt der Inhaberin Helgard Gammert zeigt eine Filmauswahl, die sich jenseits des amerikanischen Mainstream bewegt und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Immer wieder setzt Frau Gammert Schwerpunkte für ihr Programm. So wird vom 23. bis zum 29. Mai 2013 eine Afrika Woche stattfinden. Unter dem Motto „Zwischen den Welten“ beschäftigt sich die Afrika Woche mit Menschen, die in Afrika und Europa Teile ihres Lebens verbracht haben. Es wird erzählt, welche Einflüsse sie in den jeweils anderen Kontinent mitgebracht haben.

So berichtet der Film „Rich Brother“ von Bernhard Donfack nach einer wahren Begebenheit über einen jungen Boxer aus Kamerun, der seine Heimat verließ, um in Berlin Karriere zu machen. Das Einzige, was ihm erlaubt, seine Familie wiederzusehen, ist ein WM-Kampf. Durch seinen Aufenthalt in Europa verändert er sich und merkt es selbst zunächst kaum.

Der Beitrag „Morgentau“ handelt von dem in Europa ausgebildeten, äthiopischer Arzt Anberber. Als dieser in seine inzwischen kommunistisch regierte Heimat zurückkehrt,  machen ihm die Veränderungen zu schaffen. Durch Zeit- und Erinnerungsrückblenden erfährt der Zuschauer nach und nach um die Tragweite der verschiedenen Welten, in denen sich der gebildete Anberber bewegt. Trotz der Tragik, die der Film widerspiegelt, sorgt die starke Persönlichkeit des Amberber für Hoffnung.

Lustiger wird es dagegen bei  „Moi et mon blanc“ (Ich und mein Weißer): In dieser wird ein in Frankreich lebender Student aus Burkina Faso in Probleme rund um Drogen, Aufenthaltsgenehmigungen und Vorurteile verstrickt. Begegnungen verschiedenster Art behandelt auch der Film „Warten auf das Glück“ um den 17-jährigen Abdallah aus Mauretanien, der nach Europa möchte. Ein Film über Menschen in Mauretanien und eine Ode an die eindrucksvolle Wüstenlandschaft hinter der Halbinsel, auf der die Geschichte spielt.

Ein besonderes Bonbon ist die Musikdokumentation „Kinshasa Symphonie“: Die Klassik-Experten Claus Wischmann und Martin Baer begleiteten ein 200-köpfiges afrikanisches Orchester  aus der Hauptstadt des zentralafrikanischen Staates Kongo. Dieses Ausnahmeorchester, das ausnahmslos aus schwarzen autodidaktischen Musikern besteht, probt allen Unwegbarkeiten der afrikanischen Wirklichkeit zum Trotz. Das vom Bürgerkrieg betroffene und von Armut gezeichnete Land hat ein Orchester hervorgebracht, das einmalig ist. Geprobt wird täglich nach kräftezehrender Arbeit unter freiem Himmel, trotz Verkehrslärm, Smog, Stromausfall. Die Musiker sind Improvisations- wie Überlebenskünstler. Instrumente, die bei Plünderungen gestohlen worden sind, werden selbst nachgebaut. Die Musik, die von „Kinshasa Symphonie“ gespielt wird, ist deutsche Klassik. Vielleicht ist das Ergebnis nicht so perfektionistisch wie man es von deutschen Orchestern kennt, doch die Lebensfreude und Ausstrahlung der Musiker reißt das Publikum mit. Auch dieser Beitrag wurde bewusst ausgewählt. Die musizierenden Menschen bewegen sich zwischen den Welten Kinshasa und deutscher Klassik, zwischen Wirklichkeit und Flucht aus der Realität. Ein Mitglied des Ensambles sagt: „Wenn man seine Probleme schon nicht lösen kann, durch die Musik vergisst man sie“. Eine Chorsängerin sieht das ähnlich: „Wenn ich singe, bin ich in einer anderen Welt“. Dieser Film erhielt von der Film –und Medienbewertung das Prädikat „Besonders Wertvoll“!

Neben Filmen, die zum Teil auf der Berlinale gezeigt wurden, Konzerten, einer Dichterlesung,  einer Ausstellung oder einem afrikanischen Markt steht auch ein Abend auf dem Programm, an dem Joy Odhiambo über ihre Erfahrungen in den Jahren 2011 und 2012 in Kenia erzählt. Sie ist mit einem Kenianer verheiratet und hatte vor, mit ihm in seine Heimat auszuwandern. Die Ehe scheiterte. Allen guten Ratschlägen und Widrigkeiten zum Trotz, versuchte sie, auf eigene Faust, in Ostafrika Fuß zu fassen. Unter dem Motto: „ Hallo Msungu - Eine Weiße erzählt“ berichtet die Reisende, was sie mit Menschen, Tieren und  Behörden erlebt hat, erzählt von der Suche nach einem Haus, einem Spandauer Auswanderer am Viktoriasee, der Begegnung mit Nilpferden, bewaffneten Rangern und nächtlichen Motoradfahrern. Kindheit in Kenia, HIV und AIDS, kenianische Politik, Bürokratie und Korruption werden ebenso Themen sein wie die Infrastruktur des Landes, die Tierwelt, das Verhältnis der Kenianer zu Weißen, Essen und Trinken und vieles mehr.

Die Eventmanagerin Helgard Gammert plant ein rundes Programm, das allen Teilnehmenden Gelegenheit zu regem Austausch bieten wird. Die Afrika Woche widmet sich Menschen, die durch ihre Erfahrungen zwischen den Welten Einflüsse und Veränderungen erlebt haben.

Eine Erkenntnis haben alle Protagonisten gemeinsam: Dass man Erlebtes und Gelerntes nicht eins zu eins von einem Kontinent auf den anderen übertragen kann. So frustrierend manche der geschilderten Erlebnisse im Film, Lesung, oder Erzählungen auch sein mögen, es bleibt in jeder Geschichte ein optimistischer Ausblick. Es werden Fenster in andere Welten aufgestoßen, von denen man immer lernen kann, deren andere Sichtweisen das eigene Leben nachhaltig bereichern werden.

Bettina Odhiambo-Weckwerth

 

 


Pi Radio (88vier Radiogruppen) vom 07.06.2012

Kinoprogrammpreis Berlin-Brandenburg 2012

Zum 14. Mal zeichnete das Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB) Einsatz und Ideenreichtum Berliner und Brandenburger Kinobetreiber aus. Die 38 Programmprämien, die mit insgesamt 269.000 Euro dotiert sind, wurden am 05. Juni im Thalia Filmtheater Potsdam von Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus und Christian Berg (Kinobeauftragter MBB) den Kinobetreibern überreicht.

Mit Hauptpreisen prämiert wurden:

  • Brandenburg: Thalia Arthouse Kinos Potsdam, Union Fürstenwalde, Capitol – das KULTurKino Königs-Wusterhausen
  • Berlin: Bali-Kino, Eiszeit Kino, Tilsiter Lichtspiele, Regenbogenkino, UNION Filmtheater Friedrichshagen, FSK Kino, Hackesche Höfe Kino, Kino Krokodil, Moviemento, Kino in der Brotfabrik

Weitere Preise erhielten u.a. auch das Lichtblick, Filmrauschpalast, Xenon, Sputnik, Eva, Filmkunst66, Casablanca etc., um nur einige zu nennen.

 

 

 


punkt 3 - Kino Bali: Arthouse-Insel in Zehlendorf



 

„Viel mehr Programmkino geht gar nicht am Rande von Berlin und das schon seit vielen Jahren mit gleichbleibender Qualität. Helgard Gammert gibt wirklich alles für das Kino, seine Besucher und das Programm. Und das seit mehr als 30 Jahren.“ *

 

Bali – der Name ist Programm und verspricht eine unkomplizierte Anreise, er steht nämlich für Bahnhofslichtspiele. Das war den Betreibern aber zu lang, und so kam das Kino zum Inselnamen. Seit 1946 wird der Tanzpalast aus den 20er Jahren für Filmvorführungen genutzt.

 

Die russische Besatzung hatte 1946 eine Projektionsanlage zurückgelassen, das verglaste Dach wurde mit Holz abgedeckt: Fertig war das Lichtspieltheater.


Neben Klassikern und Blockbustern überzeugt das Kino durch sein breites Angebot an intelligenten Kinder- und Jugendfilmen. Die Betreiberin Frau Gammert rief 1986 die Berliner ‚Kinder-Kino-Initiative‘ ins Leben. Viele Auszeichnungen, sogar das Bundesverdienstkreuz, hat die Betreiberin schon für ihr Engagement erhalten.

 

Anfahrt:
S-Bf Zehlendorf , S1

 

* Zitate aus der Jury-Begründung für den Kinoprogrammpreis, mit dem das Medienboard Berlin Brandenburg jedes Jahr engagierte Kinomacher prämiert.

 

 

 


Berliner Morgenpost vom 03.12.2011

Zehlendorf - Von Stummfilm bis Kinderkino

Bei einem Lichtspielhaus im ehemaligen amerikanischen Sektor liegt ein Fokus auf amerikanische Künstler nahe. Doch damit nicht genug. In dem 1946 eröffneten 100-Plätze-Kino, das in den 20er-Jahren ein Tanzpalast war und in der langen Version wegen der Lage zur nächsten S-Bahnstation "Bahnhofslichtspiele" heißt, werden auch Stummfilme gezeigt. Ebenfalls zum Programm gehören Kinderkino, Dokumentarfilme mit anschließenden Diskussionsrunden, Lesungen sowie Sonderveranstaltungen wie das Frühstückskino.

 

 

 


Berliner Morgenpost vom 11.10.2010

Zehlendorf - Das Bali ist eine echte Perle

Bali heißt eigentlich Bahnhofslichtspiele und ist eine echte Kino-Perle, die mit viel Engagement von Helga Grammert (Foto) betrieben wird. Seit 1946 ist der ehemalige Tanzpalast ein Kino. In den 70er-Jahren war das eines der führenden politischen Kinos Deutschlands. Das Bali wurde 25 Jahre in Folge vom Medienboard Berlin-Brandenburg für hervorragendes Programm prämiert. Die Auswahl reicht von Klassikern bis zu Blockbustern. Besonders beliebt ist das Kinderprogramm, das ohne Werbung auskommt.

 

 

 


Leidenschaft, Kreativität und ganz viel Enthusiasmus für anspruchsvolles Kino




Kinoprogrammpreis würdigt die Kinomacher Berlin- Brandenburgs

 

Der Kinoprogrammpreis Berlin- Brandenburg wurde am 14. Juni verliehen und würdigt zum 9. Mal herausragendes Engagement für ein besonders vielfältig, innovativ und anspruchsvoll gestaltetes Kinoprogramm.

 

Mit einem Hauptpreis à 12.000 EUR wird das Bali-Kino zum 7. Mal in Folge ausgezeichnet, weil "vom Frühstückskino bis zur Kurzfilmnacht, hier ein Programmkino in einem ansonsten kinoschwachen Bezirk hoch engagiert geführt und nebenbei zwangsläufig zum soziokulturellem Zentrum wird", so die Begründung der Jury.

 

Wir freuen uns sehr!

Das Bali-Kino

 


Film ab!

Im Südwesten haben Kinogänger die Wahl zwischen ganz verschiedenen Häusern. Hier werden Klassiker und Blockbuster in schönem Ambiente gezeigt

 

...

Schön ist das in einem kleinen Flachbau ansässige Bali-Kino nicht, zumindest nicht von außen. Innen zieren immerhin Plakate berühmter alter Filme die Wände- von Feillinis "Roma" bis zu Orson Welles' "Citizen Kane". Groß ist das Bali auch nicht, nur 128 Zuschauer finden im einzigen Saal Platz. Doch dafür bietet die Filmbühne am S-Bahnhof Zehlendorf eines der anspruchsvollsten Programme Berlins. Das Arthouse-Kino wird deshalb seit Jahrzehnten für sein Repertoire ausgezeichnet. Darüber hinaus gibt es Konzerte, Lesungen und Kindertheateraufführungen.




Satte Stadt

Die Erben- Gemeinschaft

 

Sie ist Zehlendorferin durch und durch. "Mein Herz schlägt hier, hier ist mein Lebensmittelpunkt", sagt Helgard Gammert. Ihr gehört das Bali-Kino, eine Institution, mit vielen Preisen ausgezeichnet. Sie fühlt sich aufgehoben im Bezirk. Zehlendorf, sei für sie, spontan gesagt: Bildunsgbürgerschaft, wenig Arbeitslose. Die Menschen durchaus offen, liberal in der Grundhaltung. Der Zehlendorfer, sagt sie, überlegt, wo er sparen kann. Sie spricht vom Geiz der Leute, die Geld hätten. Von einer gewissen "Konsummuffigkeit", die sich auch daran zeige, dass die Geschäfte am Teltower Damm so oft wechselten. Eine offenkündig gut sittuierte Frau sagte ihr kürzlich an der Kinokasse: "Was, sechs Euro? Ich will einen Film sehen, nicht das Kino kaufen." Zehlendorf ist "eine Insel, eine Rückzugsinsel". Die Palme war lange Markenzeichen des Bali, eins abgekürzte Version von Bahnhofs-Lichtspielen.

 

Der Anteil der Leute, die gelassen sein können, ist hier groß, sagt sie. Ein bissschen scheint es Helgard Gammert, als sei die Zeit in Zehlendorf stehen geblieben. Der Zusammenschluss mit Steglitz- nicht wirklich vollzogen. Ihre Kinder leben dort- sie sagt das, als wäre Steglitz sehr, sehr weit weg. Die Schloßstraße? "Mag ich überhaupt nicht, ein Schlag zu viel."

Die Zehlendorfer, sagt sie, fühlten sich überlegen, und doch irgendwie von Steglitz dominiert. Ist das auch wieder typisch Zehlendorf?

Sie liebt den Teltower Damm- zwischen Potsdamer Strasse/ Clayallee und S-Bahnhof. Sie liebt die kleineren Seen, die Krumme Lanke, den Schlachtensee. Vor allem aber den mexikoplatz. Nach jedem Urlaub fährt sie dorthin, setzt sich auf die Bank. "Der Platz, hat was." Als sie vor Jahrzehnten nach Zehlendorf kam, spürte sie Aufbruchstimmung. Da gab es noch die links-liberale Wählergemeinschaft Unabhängiger Bürger (WUB), die das gewohnte Parteigefüge eine Zeit lang durcheinanderbrachte. Helrgard Gammert selbst fühlt sich "weltanschaulich frei". Will eine Partei für eine Veranstaltung ihr Kino mieten, sagt sie nein. Politisch spürt sie im Bezirk Stillstand. Kulturell gebe es viele private Aktivitäten, leider nicht vernetzt.

Schlimm findet es die 62-jährige, dass dem Bezirk die jungen Leute weglaufen. Als sie vor vielen Jahren das Kino übernommen habe, konnte sie vor vollem Haus noch viel mehr Kinder - und Jugendfilme zeigen. "Aber nach dem Abi gehen die Kinder weg. Mitte zieht, das wäre mir als Jugendlicher auch so gegangen." Mit 35, 40 überlegen die "Kinder" dann, ob sie  wiederkommen sollten, ob sie sich Zehlendorf leisten könnten.

 

"Übrig bleiben Leute, die Häuser geerbt haben." Der Bezirk, sagt Helgard Gammert, wirkt relativ satt und heil. Aber die Jugend gehöre nicht auf eine Insel, die müsse was bewegen. Zehlendorf habe das Problem, dass abends nicht viel los sein. "Ich bin abends die Letzte, die hier am Teltower Damm rumläuft." Klar, am Wochenende geht der Zehlendorfer "in die Stadt".

 


Das Kino bin ich

Helgard Gammert gehört seit 1979 das Zehlendorfer Bali-Kino. Jedes Jahr erhält sie Preise fürs Programm

 

An Spider-Man kommt niemand vorbei – mit riesigem Werbeaufwand ist gestern das neueste Abenteuer des Actionhelden in den Kinos gestartet. Fern von allem Tamtam und grellen Computertricks setzt ein Kino auf Schwarzweiß. Das Zehlendorfer Bali-Kino zeigt "Orphée" von Jean Cocteau, einen Streifen aus dem Jahr 1949. Kontrastprogramm läuft am Teltower Damm 33 aber nicht nur an einem Tag, sondern das ganze Jahr. Dafür gab es am Mittwoch eine Auszeichnung für Bali-Besitzerin Helgard Gammert. Sie erhielt einen der 16 "Kinoprogrammpreise Berlin-Brandenburg", mit dem die besten Filmangebote der Region gewürdigt wurden.

 

Betritt der Besucher das Bali-Kino, so gelangt er in eine vergangene Zeit: kein Glaskasten, in dem ein Angestellter die Tickets ausdruckt, sondern ein Tischchen, an dem die Besitzerin sitzt und jeden Filmfan persönlich begrüßt. Die Ankündigung für den Film des Abends flimmert nicht über einen Monitor, sondern steht auf einem Plakat. Der Kinosaal selber erinnert eher an ein Varieté: Es gibt eine kleine Bühne, an einer Wand mit alten Filmpostern steht ein Piano, die Reihen mit den 110 weinroten Sesseln steigen nur sanft an. Vor der ersten Reihe befindet sich sogar ein Tanzboden. Kein Wunder, dass im Bali nicht nur Filme laufen.

 

Es gibt Dichterlesungen, Kunstausstellungen, Vorträge und Tanzabende. Helgard Gammert organisiert alles selbst, auch Stummfilmabende, bei denen das Klavier zum Einsatz kommt. "Früher hat hier Willy Sommerfeld gespielt", erzählt sie stolz. Sommerfeld, vor kurzem hundert Jahre alt geworden, war bereits in den 20er Jahren Stummfilmpianist.

 

Helgard Gammert hat das Bali-Kino 1979 vom Filmförderer Manfred Salzgeber gekauft, der das Haus in den 70ern zum politischen Forum gemacht hatte. Aber als die heute 59-Jährige das Theater kaufte, war politisches Kino nicht mehr modern. Die Liebe zur Kultur und ihre Offenheit waren es, die Helgard Gammert neue Wege gehen ließ. Denn "das Bali war für mich das Kino schlechthin", sagt die Kinobesitzerin, deren Lieblingsfilm "Kinder des Olymp" ist. "Er ist ein Konglomerat von Träumen", sagt Helgard Gammert. Sie lebt ihren Traum.

 

Seit 25 Jahren gehört ihr nun das Bali-Kino. In jedem Jahr ist es für das Filmprogramm ausgezeichnet worden. So viele Preise muss Spider-Man erst mal bekommen.

 


Das Bali bittet zum Buffet

Kino wird renoviert und erhält Gastronomie - Eigentümerin plant Jazzkonzerte und spezielle Themenabende

 

Berlin - Längst ist es eine Legende geworden: das Kino Bali ("Bahnhofslichtspiele") am S-Bahnhof Zehlendorf. Seit 1946 wird der Tanzpalast aus den 20er-Jahren als Kino genutzt. In Zeiten, in denen Multiplexkinos die kleinen Häuser vom Markt verdrängen, konnte sich das Spartenkino mit 100 Plätzen am Teltower Damm 33 behaupten und profilieren. Und nicht nur das: Jetzt wird es sogar noch ausgebaut und um das "Oscars" erweitert.

 

Die Location soll als Bar, Foyer und Veranstaltungsort dienen. Ende April starten im Bali noch mehr Angebote rund um das Thema "Film". Neben Tangonächten, Kinderfrühstückskino und Länderprogrammen, die heute schon viel Erfolg haben, wird es dann weitere Veranstaltungen wie Jazzkonzerte und Themenabende mit Musik und Büffet geben.

 

Kinobetreiberin Helgard Gammert hat sich dazu mit dem Kulturmanager Uwe Wildenhayn zusammengetan. Seit sechs Jahren schwebt ihnen ein gemeinsames Konzept vor, das sie eigentlich im Primuspalast an der Gartenstraße 12 umsetzen wollten. Nachdem sich lange Zeit kein Investor für das Wohn- und Geschäftshaus mit Theatersaal aus dem Jahre 1876 gefunden hatte, gaben beide ihre Idee vorerst auf.

 

Eine neue Chance bot sich, als das Geschäft neben dem Kino auszog und der Laden leer stand. Nach einer kurzen Zwischennutzung durch eine Galerie kam der ehemalige Banker Uwe Wildenhayn zum Zug. Er hat den Laden, der direkt an den Kinosaal grenzt, gemietet und jetzt mit den Vorbereitungen

zum Umbau des Geschäfts zum Café begonnen. Genauer genommen könnte es auch als neues großes Kinofoyer mit Gastronomie bezeichnet werden. Denn in der Wand zum Kinosaal wird ein Durchbruch gemacht und mit einer imposanten Tür versehen. Kinobesucher haben so die Möglichkeit, vor der Vorstellung noch einen Cocktail zu trinken oder nach der Vorstellung bei einem Bier über den Film zu reden.

 

Parallel zum Ausbau des Cafés läuft die Sanierung des Kinosaals. In seinem vorderen Bereich wurde der Teppich bereits gegen einen Tanzboden für die geplanten Tangonächte ausgetauscht. Jetzt soll auch der restliche Fußboden erneuert werden. Die Klappstühle werden durch neue, dunkelrote Sessel ersetzt. Erhalten bleiben das Klavier für den Einsatz an den Stummfilmabenden und die flexible Bühne für die Theater- und Musikaufführungen.

 

Seit 25 Jahren gehört Helgard Gammert das Kino - 25 Jahre in Folge hat sie Auszeichnungen durch das Bundesministerium des Inneren, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und Filmboard Berlin-Brandenburg für erhalten. Dazu gehören für sie anspruchsvolle Filme ("für das Zehlendorfer Publikum") Dokumentarfilmreihen mit anschließender Diskussion, Kinderfilme und Schulkino, aber auch Sonderveranstaltungen wie Tanzunterricht, Kindertheater und Kunstgalerie.

 

Für einen ersten Themenabend - der Termin steht noch nicht fest - hat Uwe Wildenhayn schon eine Vorstellung: Es soll ein "Klezmer-Abend" werden mit jüdischer Musik und israelischen Spezialitäten.

 


Bundesverdienstkreuz


Frau Helgard Gammert-Jakli erhielt am 12. April 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

 

Diese Ehrung kommt Frau Gammert-Jakli zuteil, weil sie seit 1979 das Bali-Kino in Zehlendorf mit großem persönlichen Engagement betreibt. Sie genießt große Wertschätzung in kulturellen Fachkreisen sowie bei altem und jungem Publikum.

 

Bezirksbürgermeister Herbert Weber hat Frau Gammert-Jakli im Rahmen einer Feierstunde im Gutshaus Steglitz den Orden überreicht.


Filmkunst am Bahnhof

Das Bali bietet großes Kino im kleinen Haus

 

Es hat nur einen Saal und wird von einer einzigen Frau betrieben: Das Bali-Kino am S-Bahnhof Zehlendorf gehört seit 25 Jahren Helgard Gammert. Im frisch renovierten Saal hängen noch Plakate der Filme, die sie im ersten Jahr spielte: Fellinis „Roma“, Buñuels „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“, Orson Welles’ „Citizen Kane“, Charlie Chaplins „Modern Times“. Heute haben sie alle ihren Platz unter den besten Werken der Filmgeschichte.

 

Jahr für Jahr wird Helgard Gammerts Programm ausgezeichnet – vom Bundesinnenministerium, von der Bundesbeauftragten für Angelegenheiten der Kultur und Medien sowie dem Filmboard Berlin-Brandenburg. In den 70er Jahren war das Bali das politische Kino schlechthin. Manfred Salzgeber spielte provokative Filme, und Aktivisten wie Cineasten kamen aus ganz Berlin. Als viele Intellektuelle ins Visier der Terrorismus-Rasterfahndungen gerieten, musste Salzgeber nach Amsterdam.

Helgard Gammert war damals im Kommunalen Kino in Mannheim. „Nur du kannst mein Kino weiterführen“, sagte Salzgeber. Das tat sie mit geliehenem Geld und Hilfe des Senats.

 

Doch bald gab es auch andere anspruchsvolle Kinos in der Stadt. Helgard Gammert begann, Reihen zusammenzustellen – wie demnächst eine Europa-Reihe – oder Filme zu verknüpfen, die filmgeschichtlich miteinander zu tun haben. „Man muss etwas Besonderes machen, um die Zehlendorfer aus dem Haus zu locken“, sagt sie. Ins Bali kommen Besucher in einem unüblichen Altersschnitt zwischen 50 und 70.

 

Es gibt aber auch Kurzfilmnächte mit Studenten aus Babelsberg und Zehlendorfer Schülern, bei denen diese eigene Filme zeigen und darüber diskutieren. Außerdem stellt Helgard Gammert Filmprogramme für Schulen und Stiftungen zusammen. Und mit dem benachbarten Café & Restaurant Oscars veranstaltet sie Ausstellungen, Konzerte und Kindertheater.